Sehr geehrter Herr Ullrich, sehr geehrte Zuständige,

momentan leidet die Akzeptanz der Protected Bike Lane Veldener Straße sehr darunter, dass ein Befahren stadteinwärts bis zur Straße Walzmühle de facto nicht möglich ist. Potenziell neue Nutzende der PBL werden aufgrund einer ständigen Reihe falsch parkender Pkw davon abgehalten, die PBL als sichere, komfortable oder wenigstens nützliche Radstrecke zu erleben. Manch eine(r) wird sich vielleicht sogar fragen, welchen Sinn es überhaupt macht, dort entlang zufahren. Damit wird die gesamte Maßnahme schon zu Beginn ad absurdum geführt.

Auf der anderen Seite gewöhnen sich die zahlreichen Falschparker gerade stündlich und tagtäglich daran, dort ungestraft falsch parken zu dürfen. Aufgrund der fehlenden Beschilderung sowie der noch vorhandenen alten Markierungen sind dem Ordnungsamt offenbar die Hände gebunden. (So sagte es mir heute ein MA des OA, den ich an der Walzmühle antraf und ansprach. Er äußerte aufgrund der fehlenden Beschilderung sogar ein wenig „Verständnis“ für die Falschparker und wollte den Missstand dem Fachamt melden.) 

Das Falschparken wird also sehenden Auges toleriert, seitdem die PBL für den Radverkehr befahrbar ist. Bisher konnte ich die PBL als Radfahrer noch kein einziges Mal (auf meinem täglichen Berufspendlerweg) behinderungsfrei befahren. Der aktuelle Zustand ist untragbar für Radfahrende, dies ist kein geschützter Radfahrstreifen!

In der Pressemitteilung zur PBL am Dienstag wurde angekündigt, dass die Strecke „in den nächsten Tagen“ fertiggestellt werde. Auf der Website der Kreis-Grünen las ich allerdings, dass die Arbeiten noch 2-3 Wochen dauern werden. Was ist richtig? Außerdem las ich bei den Grünen, dass die Stadtverwaltung „in Kürze“ Informationszettel an den Autos verteilen werde.

Ich bitte dringlich darum, wenigstens entsprechende Halteverbotsschilder spätestens Anfang kommender Woche zu installieren, unabhängig davon, ob die Markierungs- und De-Markierungs-Arbeiten „in den nächsten Tagen“ erledigt werden können oder nicht.

Ich bitte um folgende Informationen:

1. Wann werden die Beschilderungs- und De-Markierungsarbeiten abgeschlossen?

2. Werden Falschparker kontrolliert (Häufigkeit und Tageszeiten der Kontrollen?) und sanktioniert, sobald dies rechtlich möglich ist?

3. Warum wurden die Informationszettel nicht parallel zur Freigabe der PBL für den Radverkehr bzw. vorher verteilt? Wann werden die Informationszettel verteilt und sollen die Informationszettel kostenpflichtige Verwarnungen ersetzen? Siehe Frage 2. Falls ja: Mit welcher Begründung?

Aus ProRad-Kreisen erfuhr ich, dass es offenbar aufgrund bereits vorhandener Verrohrungen nicht möglich war, die Ampel an der Kreuzung Veldener/Neue Jülicher nicht mitten auf dem Gehweg zu platzieren. Ich frage mich (und Sie), wie Gehbehinderte im Rollstuhl oder Eltern mit Doppel-Buggy o.Ä. die 97cm (!) bzw. knapp 115cm, die vom Gehweg übrig bleiben, passieren sollen? Diese Maße entsprechen bei Weitem nicht den allgemein anerkannten Mindestmaßen. Sehen Sie dort Handlungsbedarf?



Etwas Positives zum Schluss: Heute habe ich etwa 15 Minuten vor Ort verbracht. Allein in dieser Zeit fuhren ca. 8-10 Radfahrende stadteinwärts. (Alle mussten den Falschparkern ausweichen, ein Pärchen wechselte wegen eines Falschparkers noch vor der Kreuzung auf die Fahrbahn, um links in Richtung Bretzelnweg abzubiegen.) Dass der Start der PBL gerade so „vermurkst“ wird, tut mir als Rad-Aktiver in der Seele weh und hat hoffentlich keine größeren Folgen für die (allseitige) Akzeptanz der PBL.

In diesem Zusammenhang möchte ich eine weitere, letzte Frage los werden:

4. Wie sieht das Monitoring-Konzept bzgl. der PBL aus, ist dieses öffentlich zugänglich (Bitte um Zusendung) und werden dessen Ergebnisse (ebenfalls?) veröffentlicht?

Bitte lassen Sie keine Zeit verstreichen, die den (teils ziemlich abstrus „argumentierenden“) PBL-Kritikern noch mehr Wind unter die Segel bringt! 

Zur Veranschaulichung der aktuellen Situation ein paar wenige Beispiel-Fotos im Anhang (alle von den paar Minuten heute Vormittag).

Kopien dieser privaten Mail gehen an die ADFC-Ortsgruppe Düren und den ADFC Aachen-Düren.

Mit fahrradfreundlichen Grüßen…



Heute wurde wieder fleißig an der PBL gearbeitet. Sehr gut!

An der Falschparker-Situation hat sich allerdings nichts geändert. Außer dass die alten Parkplatz-Markierungen entfernt wurden, was für die üblichen Pkw-Chaoten aber keinen Unterschied macht. Inzwischen werden auch die schraffierten Sperrflächen gerne zum Auto-blöd-in-der-Gegend-herumstehen-lassen genutzt.

So langsam sollte die Situation doch wenigstens „rechtssicher“ genug sein, um mal ein paar Knöllchen zu verteilen. Oder mal den lokalen Abschleppunternehmen ein wenig die Auftragsbücher zu füllen. Das schafft Arbeitsplätze.

Meines Erachtens bedarf es (zumindest um es aus Autofahrersicht endlich zu kapieren) eigentlich auch keines Halteverbotsschilds. Die Situation ist jetzt ziemlich eindeutig: Fahrrad-Piktogramm am Eingang, beschilderte Parkflächen links der Radspur und Sperrflächen sprechen für sich. Wer sein Stehzeug jetzt noch auf der Radspur abstellt, hat keine Ausrede mehr. Von mir aus kann sich die Stadt das Ausdrucken irgendwelcher Info-Zettel sparen und direkt mit „abkassieren“ (Autofahrer-Sprech) anfangen.

Was sonst noch geschah: Jede Menge Markierungsarbeiten, rote Farbe, Piktogramme. Sieht langsam richtig gut aus. Allerdings muss auf dem stadtauswärtigen Teil wohl zeitnah aufgrund des schlechten Untergrunds schon wieder nachgepinselt werden.