Ordnungsamt lässt sich (und Falschparkern) Zeit…

Am 2. Juni, also einen Tag später als angekündigt, wurde der geschützte Radstreifen auf der Veldener Straße endlich wieder für den Radverkehr freigegeben.


Zur Vorgeschichte:


Das hält bis heute allerdings nur wenige Autofahrer davon ab, trotzdem im eindeutig durch Schilder und Radweg-Markierungen gekennzeichneten absoluten Halteverbot zu parken. Dies darf wiederum niemanden verwundern, denn Falschparken gehört schließlich zur offiziell erwarteten und weitgehend tolerierten Dürener Bürgerpflicht.

Gefördert wurde dieser ganz normale Autofahrer-Habitus durch die tagelange Untätigkeit des Ordnungsamts, das erst auf mehrere Hinweise hin aktiv wurde und erst einige Tage nach der Wieder-Freigabe des (benutzungspflichtigen) Radwegs Warnhinweise auf den falsch geparkten Pkw verteilte.



Knöllchen werden derzeit selbstverständlich noch nicht verteilt. Falschparkern wird alle Zeit der Welt eingeräumt, um sich an die „neue“ Situation zu gewöhnen – ganz egal wie eindeutig das absolute Parkverbot auch erkenntlich sein mag.

Plötzlich keine „Notsituation“ mehr?

Fraglich bleibt, welchen Einfluss der Druck der ADFC-Ortsgruppe, der Bürgerinitiative ProRad Düren und von Anderen, die sich an die Stadt gewandt haben, auf die nun doch relativ schnelle Rücknahme der Radweg-Parkplatz-Maßnahme hatte.

Bekanntlich hatte die Stadt Düren der ADFC-Ortsgruppe mitgeteilt, dass die Maßnahme noch bis zum Jahreswechsel 2026/27 andauern würde. Erst aufgrund dieser offiziellen Info hat sich die ADFC-Ortsgruppe an die Bezirksregierung gewandt, um mal prüfen zu lassen, ob eine solche, monatelang anhaltende Maßnahme mit den Förderzwecken und -richtlinien (90% der Kosten des geschützten Radstreifens stammen aus Fördermitteln) vereinbar ist.

Daraufhin ging dann alles irgendwie ziemlich schnell. Aus einem Zeitungsartikel mit der Betitelung „Parken auf Fahrradschutzstreifen erlaubt: Stadt Düren spricht von „Notsituation““ – natürlich nicht von der ach so fahrradfreundlichen und transparenten Stadt Düren – erfuhr die Ortsgruppe, dass der geschützte Radstreifen nun doch schon am 1. Juni wieder freigegeben werden sollte. Huch! Hat das Nachhaken der Bezirksregierung etwa ein wenig städtische Besorgnis ausgelöst, dass eventuell Fördermittel zurückgezahlt werden müssen? 😱 Sorgen, dass Radfahrerinnen und Radfahrer aufgrund der Maßnahme zu Schaden kommen würden, hatte die Stadt ja offensichtlich nie. Daran wird die plötzliche Beschleunigung von Ende des Jahres auf Anfang Juni also kaum gelegen haben.

Die Baustelle in der Malteserstraße, die zu der „NOTSITUATION“ für anwohnende Pkw-Abhängige geführt hat, sieht momentan auch noch nicht wirklich danach aus, als würden die Arbeiten in naher Zukunft abgeschlossen. Es scheint eher so, als würde sich die „Notsituation“ eher noch verschärfen angesichts all des Materials, das da noch rumliegt und verbuddelt werden will.



Alternative Parkmöglichkeiten in Sicht?

Wird die Stadt nun endlich doch mal auf die Betreiber/Besitzer angrenzender Riesen-Parkflächen, die jahrein/jahraus ungenutzt und unnötig jede Menge Fläche versiegeln, zugehen? Auf diese Idee hätte man eigentlich auch schon kommen können, bevor man mir nichts dir nichts eins der wenigen sicheren Radwege-Bruchstücke zur Parkfläche umdeklarierte. Aber dazu hätte es ja ein nicht-motonormativ geprägtes Mindset (oder nur gesunden Menschenverstand?) gebraucht. Das ist offenbar wirklich zu viel erwartet…

Auto, Auto über alles!

Es bleibt der Eindruck, dass als Allererstes die Sicherheit des Radverkehrs eingeschränkt wird, sobald Auto-Abhängige irgendeine Art von Einschränkung (NOTSITUATION!) zu befürchten haben. Auto, Auto über alles ist und bleibt die städtische Maxime!

Bezüglich des oben erwähnten Zeitungsartikels sei noch zu erwähnen, dass dieser in einer ersten Version einige nicht ganz unerhebliche Fehler enthielt. Ein kurzes Gespräch mit der Redakteurin hat immerhin dazu geführt, das die gröbsten Schnitzer wieder beseitigt wurden. So wurde beispielsweise zuerst behauptet, den ADFC-Aktiven würde die Aussage der Stadt, dass der geschützte Radstreifen bereits am 1. Juni wieder freigegeben würde, nicht ausreichen. Das Gegenteil ist der Fall: Erst aus dem Artikel erfuhren die ADFC-Aktiven von dieser Zeitschiene. Die offizielle Info der Stadt Düren in Richtung ADFC war bis dato noch: Das bleibt alles so bis mindestens Ende 2026. Und erst daraufhin wurde dann die Bezirksregierung ins Spiel gebracht. Hätte die Stadt die ADFC-Aktiven wissen lassen, dass es sich nur um ein paar wenige Tage/Wochen handelt, wäre die Bezirksregierung gar nicht eingeschaltet worden. Allerdings darf bezweifelt werden, dass es nicht erst das Eingreifen der Bezirksregierung war, das zur Beschleunigung des Vorgangs geführt hat. Die Vermutung, dass die autofreundliche Stadt Düren tatsächlich geplant hatte, den Radweg monatelang für den Radverkehr zu sperren, ohne nach einfachen und naheliegenden Alternativen zu suchen, liegt nahe.

So viel zur Transparenz und zur Belastbarkeit städtischer Aussagen. Und zur sauberen Recherche der Dürener Zeitung… Wobei – erwähnt sei noch, dass ich persönlich im Zeitungsartikel auftauche, obwohl ich niemals als offizieller ADFC-Vertreter bei der Kommunikation mit der Zeitung im Boot war. Nebenbei sei auch erwähnt, dass selbst die Stadt eindeutig klargestellt hat, dass Radfahrende auf dem Stück hinter der Malteserstraße wegen/während der Anwohner-Parkplatz-„Notsituation“ nicht überholt werden dürften – dazu reichte der übrig gebliebene Platz auf der Fahrbahn einfach nicht mehr aus (1.5 – 2 Meter Mindestabstand nötig). In der Zeitung hieß es allerdings: „Man kann aber wenigstens sagen, dass es sich um keine schmale Gasse handelt, in der Auto- und Radfahrer zwangsläufig auf engem Raum in Konflikte geraten müssten.

Zweierlei Maß bei der „Gleichbehandlung der Verkehrsarten“?



Wenn es irgendwie um die „Bedürfnisse“ von Auto-abhängigen Menschen geht, scheinen Politik, Verwaltung und auch die Lokalpresse mit sehr unterschiedlichen Maßstäben zu hantieren. Ich habe beispielsweise noch nie davon gelesen oder in einer Verkehrsausschusssitzung mitbekommen, dass die Situation all derer, die den ÖPNV nutzen müssen oder wollen, als NOTSITUATION beschrieben worden wäre. Obwohl all diese Menschen in der Regel deutlich weitere Wege in Kauf nehmen müssen, um von ihrer Wohnung zur nächsten Bushaltestelle zu gelangen, als Pkw-abhängige Anwohner zum nächsten Parkplatz. Für ÖPNV-Nutzer sind 250-300 Meter absolut normal, gesellschaftlich toleriert und überhaupt nichts Besonderes. Im motonormativen Mindset ist das für Autofahrer aber sofort eine NOTSITUATION inklusive gesellschaftlichem Aufschrei, die nur behoben werden kann, indem als Allererstes sichere Wege bspw. für Rad fahrende Schulkinder und Co. gesperrt werden. 🚳

Herzlich willkommen in der autofreundlichen Stadt Düren!