Zeit für eine Umdeutung!
Man stelle sich einmal vor, in Deutschland würde es ähnliche Waffengesetze geben wie in den USA. So gut wie jede/r hätte das Recht, eine scharfe Waffe zu besitzen, mit ihr durch die Gegend zu laufen, und sie zur „Selbstverteidigung“ abzufeuern. Vermutlich würden die Zahlen derer, die durch Schusswaffen verletzt und getötet werden, drastisch steigen.
Wie würden wir als Gesellschaft, wie würde die Politik auf die gestiegene Schusswaffen-Nutzung und daraus folgende Tote und Verletzte reagieren? Mit weiterer Liberalisierung des Waffenrechts, damit immer mehr Menschen (aufgrund des stetig steigenden „Selbstverteidigungsbedarfs“) immer mehr Schusswaffen besitzen und benutzen können?
Zugegeben – etwas weit hergeholt dieses Gedankenspiel, aber trotzdem vielleicht nicht ganz ungeeignet, um einen Vergleich anzustellen. Das was in den USA Waffenbesitzer und National Rifle Association (NRA) sind, sind in diesem an den Haaren herbeigezogenen Vergleich wir Autofahrer und unsere motonormativ geprägten Politiker. (Ein „schöner“ Artikel zur Motonormativität auch hier bei National Geographic.)
Wie beim Waffengesetz-Beispiel sorgen wir Autofahrer – mit freundlicher Unterstützung autofreundlicher Lobbyisten (inkl. Verkehrspolitiker) und dem Bedürfnis nach immer mehr und immer größer werdenden Autos zwar nicht für mehr durch Schusswaffen-Opfer, aber dafür, dass unsere Städte und all die dort lebenden Menschen, Pflanzen und Tiere immer weniger Lebensraum zur Verfügung haben. Denn dort, wo einst Grünflächen, Spielplätze, Rad- und Gehwege etc. waren, wurde und wird der öffentliche Raum, der eigentlich Allen zur Verfügung stehen sollte, in reine Pkw-Nutzung umgewidmet. Wir schränken die Freiheit aller ein, um die „Freiheit“ des Autofahrens zu gewährleisten.
Wie reagieren Politik und große Teile der Gesellschaft (Autofahrer) auf die schwindenden Allgemein-Flächen (Allmende)? Etwa indem sie über die Ursachen der asozialen Umverteilung sprechen oder gar ursachenbezogene Problemlösungen suchen? Weit gefehlt! Stattdessen versuchen sie (wir) in einem andauernden Anflug von Paradoxie-Ignoranz, die Symptome zu lindern, indem sie (wir) die Probleme erzeugenden Ursachen fördern und verstärken. Um uns dann auch noch darüber zu wundern, dass der „Parkdruck“ von Jahr zu Jahr zunimmt.


Immer mehr immer größer werdende Autos?
Wir brauchen immer mehr immer größer werdende Parkräume!
Die Dürener Auto-Auto-über-alles Koalition aus €DU und sPD hat unlängst beschlossen, dass es doch kein Parkraumkonzept für die Innenstadt geben soll. Obwohl das schon im Masterplan Innenstadt (sinnvollerweise) als grundlegende Voraussetzung bspw. für die Umgestaltung der Schützenstraße (inkl. Schützenplatz) beschlossen wurde. Von einer sinnvollen Planung und Bündelung von Parkverkehr in der City halten die Auto-Lobbyisten allerdings nichts. Zumindest nicht, wenn es von heuchlerischem Beschluss und Ankündigung in Richtung Umsetzung geht. Stattdessen wollen sie weitere Parksuchverkehr-Anreize wie eine „Brötchen-Taste“ (gesellschaftlich subventionierte Falschpark-Erlaubnis) schaffen und arbeiten mit allen Mitteln weiter konsequent daran, die „Stadt der kurzen Pkw-Wege“ für alle Nicht-Autofahrer nur noch möglichst unbequem, unsicher und unattraktiv erreichbar zu machen. Während €DU und sPD selbstredend stets ausschließlich Autofahrer meinen, wenn sie mal wieder von der schlechten „Erreichbarkeit der Innenstadt“ schwadronieren.

Von der €DU ist man Auto-Auto-über-alles-Ideologie ja gewöhnt. Allerdings war es vor allem die sPD, die in den vergangenen zehn Jahren alles dafür getan hat, dass „Parkdruck“-Ursachenbekämpfung verhindert wird, wo immer es geht. Obwohl man mit den Grünen über zwei Legislaturperioden einen Koalitionspartner hatte, mit dem es durchaus möglich gewesen wäre, das (angebliche) städtische Ziel „Ein Prozent weniger Pkw-Verkehr pro Jahr“ in Angriff zu nehmen oder ein Parkraumkonzept auf die Wege zu bringen, hat die sPD konsequent so gut wie alle verkehrspolitischen Maßnahmen blockiert, die sie sich eigentlich selbst auf die Fahnen geschrieben hatte: konsequente Umsetzung des Klimaschutzteilkonzepts „Klimafreundliche Mobilität in Düren“, Umwidmung aller vierspurigen Innenstadt-Straßen zu Gunsten von Rad- und Fußverkehr, Umsetzung von Fahrradstraßen, sicheren Schulwegen, Maßnahmen zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans oder des Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetzes NRW… You name it!
Nun, in Koalition mit den früher durch die sPD so häufig kritisierten „Christ“demokraten können die Sozen endlich ihr wahres Auto-Lobbyisten-Gesicht zeigen und haben sogar noch die Möglichkeit, Krokodilstränen bei allen möglichen Anti-Fahrrad-, Anti-Fußgänger- und Anti-ÖPNV-Nutzer-Beschlüssen zu vergießen. Ach, wir würden ja so gerne mal etwas Progressives umsetzen, aber als kleiner Koalitionspartner in der Auto-Auto-über-alles-Koalition sind uns einfach die Hände (ans Lenkrad) gebunden…


PARKDRUCK!?
Kommen wir zurück zum eigentlichen Thema: PARKDRUCK!?
Wieso wird der populistische Begriff „Parkdruck“ eigentlich immer nur aus den Mündern von Autofahrern und motonormativ ideologisierten Politikern (FCKAfD, €DU, sPD) abgesondert – als „Argument“, das den ach so extremen Leidensdruck von Parkplatz-Suchenden ausdrücken soll. *heul* *jammer*
Dabei geht es doch eigentlich um ein von genau ihnen selbst erzeugtes und stetig gefördertes Problem. Ein Problem, dass in seiner Konsequenz insbesondere die betrifft, die gar nicht dafür verantwortlich sind: Kinder & Jugendliche, Fußgänger im Allgemeinen, Radfahrer, ÖPNV-Nutzer… Also alle die, deren nicht-autofahrende Mobilität doch angeblich so massiv gefördert werden soll, um nicht zuletzt auch der Parkdruck-Problemlösung zu dienen.
Wo sind eigentlich die Eltern, die sich wegen des allgegenwärtigen und ständig steigenden Pkw-(Parkplatz-)Drucks über mangelnde Räume und sinkende Sicherheit für ihre Kinder beschweren? Wo sind die Fußgänger-Lobbyisten? (Gibt es die in Düren, einer „Stadt der kurzen Wege“, in der selbst die (angeblichen) Innenstadt-Vertretungen wie IG City ausschließlich Pkw-Lobbyismus betreiben, überhaupt?) Wo sind die „christlichen“ und „sozialen“ Argumente von selbsternannten lokalen „Verkehrspolitikern“, die ständig von „gleichberechtigten Verkehrsarten“, „Aufenthaltsqualität“, „Klimafolgenanpassung“, „Kinderfreundlichkeit“ etc. herumfloskeln?
Mich überzeugt die Interpretation „Autofahrer leiden unter Parkdruck“ nicht!
- Nicht, solange massenweise private Pkw-Besitzer ihre Garagen mit allem möglichen Plunder vollstellen, ihr Auto aber 23 Stunden/Tag im öffentlichen Raum (und gefälligst alle immer direkt vor der eigenen Haustür!) abstellen…
- Nicht, solange es trotz angeblich „gleichberechtigter Verkehrsarten“ Standard ist und völlig unhinterfragt akzeptiert wird, von der eigenen Wohnung bis zur nächsten Bushaltestelle 250-300 Meter Fußweg in Kauf nehmen zu müssen…
- Nicht, solange der rare öffentliche Innenstadt-Raum kostenlos (E-Auto-Parken) oder zu lächerlichen Schleuderpreisen (Anwohner-Parken für ein paar Euro/Jahr, homöopathische Parkgebühren im innersten Stadtkern) an eine eh schon privilegierte Personengruppe verschleudert wird…
- Nicht, solange die angebliche „Gleichberechtigung“ der Verkehrsarten nur zynisch-hohle Floskeln bleiben, die zwar immer wieder gerne politisch missbraucht, aber niemals auch nur ansatzweise umgesetzt werden…
- Nicht, solange wir keinen Weg gefunden haben, Städte automatisch mit der Entwicklung hin zu immer mehr und immer größeren Autos mitwachsen zu lassen…

Auch noch gefährlich!
Dass es immer nur ein zynischer Ausdruck der persönlichen Alles-Scheiße-außer-Autos-Ideologie ist, wenn mal wieder jemand das motonormative Parkdruck-Argument“ hervorholt, sieht man u.A. daran, dass die Argumentationslogik niemals dem entspricht, was eigentlich als politisches Programm (bspw. in Wahlkampf-Gebrabbel, Koalitionsverträgen etc.) herausgestellt wird oder allgemein anerkannten Regeln und Gesetzen entspricht. Als Beispiel nur mal das Thema „Sicherheit“.
Eigentlich ist Allen klar, dass Pkw-Parkplätze Pkw-Verkehr erzeugen. Dieser wiederum erzeugt (neben diversen anderen schädlichen Folgen) potenziell mehr und mehr schwerere Unfälle, als es sie bspw. in einer autofreien Innenstadt zu erwarten sind.
Der andere Teil, der selbstverständlich niemals in die politische Diskussion irgendwelcher „Fach“ausschüsse – geschweige denn in die Mindsets von Auto-Abhängigen bzw. Auto-abhängig-Gemachten – einfließen würde – egal, was in StVO & Co. zum Thema Sicherheit drinsteht – , sind die Unfälle, die durch das Parken selbst verursacht werden.
Fast jeder fünfte innerörtliche Fußgänger- oder Radfahrerunfall mit Personenschaden steht im Zusammenhang mit dem Parken.
Unfallforschung kommunal, Heft 36: Unfallrisiko Parken für Fußgänger und Radfahrer
Etwa zwei Drittel der identifizierten Unfälle sind Radverkehrs- und etwa ein Drittel Fußgängerunfälle. Die wesentlichsten Probleme sind Radverkehrsunfälle mit geöffneten Fahrzeugtüren (Dooring-Unfälle) und Unfälle mit Sichtbehinderungen durch parkende Fahrzeuge. Dooring-Unfälle stellten mit 18 Prozent die häufigste Unfallsituation dar. In innerstädtischen Gebieten, wo der Radverkehr auf der Fahrbahn geführt wird, wurde sogar ein Anteil von 41 Prozent ermittelt. Mehr als die Hälfte der Parken-Unfälle stehen in einem indirekten Zusammenhang mit dem Parken. Meistens waren dies Unfälle, bei denen parkende Fahrzeuge die Sicht der Verkehrsteilnehmer einschränkten. Betroffen sind hiervon vorrangig Fußgänger, die abseits der Knotenpunkte zwischen parkenden Fahrzeugen die Straße queren wollen sowie in Längsrichtung fahrende Radfahrer an Knotenpunkten und Einfahrten. Das regelwidrige Parken ist vor allem für Radfahrer ein Problem. Der Großteil der Fußgänger wurde dagegen durch regelkonform parkende Fahrzeuge beeinflusst.
Dennoch wird unter „Parkdruck“ immer noch (und immer nur) der Druck verstanden, den die Problemerzeuger angeblich so bitterlich spüren? Um das glaubhaft zu machen, hat es bestimmt viele Jahre autophil-ideologischer Indoktrination bedurft. Angesichts der landläufigen (Fehl-)Nutzung des Parkdruck-„Arguments“ scheint die Indoktrination ziemlich gut gelungen zu sein…
Hey, KI.
Erstelle zwei Bilder, die die landläufige Bedeutung des Wortes „Parkdruck“ umdeuten und neu definieren: Eigentlich wird mit Parkdruck ausgedrückt, dass Autofahrer keine Parkplätze unmittelbar vor ihrer jeweiligen Haustür vorfinden. Das Wort „Parkdruck“ sollte aber dahin umgedeutet werden, dass die Autofahrer mit ihrem Anspruch, den öffentlichen Raum überall und immer privat zu nutzen (23 Stunden pro Tag herumstehend und Flächen versiegelnd, die anders viel gesellschaftlich sinnvoller genutzt werden könnten), den öffentlichen Raum, der für Alle da sein sollte, stadtentwicklerisch okkupieren und sämtliche Entwicklungspotenziale damit zerstören. Parkdruck ist also nicht ein Druck, den die Autofahrer verspüren, sondern ein durch die Autofahrer produzierter Druck auf die Stadtgesellschaft/Allgemeinheit.
























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