Jubiläum:
10 Jahre STADTRADELN!
Ein Grund zum Feiern?

Es ist bald wieder soweit: am 20. Juni startet das 10. STADTRADELN Düren. Zehn Jahre, in denen viel von der angeblichen Gleichberechtigung der Verkehrsarten und der besonderen Förderung des Radverkehrs erzählt wurde. Allerdings auch zehn Jahre, in denen nur Maßnahmen umgesetzt wurden, die bestenfalls homöopathisch genannt werden können.

Zehn Jahre nicht umgesetztes Klimaschutzteilkonzept „Klimafreundliche Mobilität in Düren“, das (nach wie vor) auf dem Papier existiert, um regelmäßig Lärmaktions- und Luftreinhaltepläne greenzuwashen. Zehn Jahre, in denen der absolute Großteil des angeblich mal zur Umsetzung gedachten Maßnahmenkatalogs parteiübergreifend ignoriert wurde.

Bis heute gibt es keine einzige Fahrradstraße in Düren und von den Radschnellwegen, über die es damals hieß „Neben den vorab beschriebenen Verbesserungsmöglichkeiten im Radverkehrsnetz in Düren könnten mehrere Radschnellwege im Dürener Stadtgebiet die wohl bedeutendsten Verbesserungen bringen“, ist längst noch nicht mal mehr die Rede.


Quelle: Klimaschutzteilkonzept „Klimafreundliche Mobilität in Düren“

Zehn Jahre, in denen auch das gesamte Kapitel „Evaluation“ des Klimaschutzteilkonzepts – trotz mehrerer Bürgeranträge – ignoriert wurde – wohlwissend (wohl sehr genau wissend), dass bei einer Evaluation nichts Gutes herauskäme. Zehn Jahre ständig steigender Pkw-Zulassungszahlen, die das städtische Ziel „ein Prozent weniger Pkw-Verkehr pro Jahr“ ad absurdum führen.

Zehn Jahre, in denen der sogenannte Modal Shift (Veränderung im Nutzen der verschiedenen Verkehrsarten) zwar dafür her halten durfte, den städtischen „Aktionsplänen“ einen schönen Schein zu verpassen, aber auch zehn Jahre, in denen dieser Modal Shift als zentrales Element des zentralen Klimaschutzteilkonzepts noch nicht einmal (also kein einziges Mal) ermittelt wurde.

Mehr zur Nicht-Umsetzung des Klimaschutzteilkonzepts hier im Blog.

Zehn Jahre, in denen Radfahren in Düren nicht etwa sicherer oder komfortabler geworden ist, sondern zehn Jahre, in denen das angebliche „Radwegenetz“ so gut wie gar nicht gewachsen ist oder gar zu einem zusammenhängenden Ganzen erweitert worden wäre.


Quelle: KI-Slop

Aufruf zum Greenwashing

Ungeachtet all dessen ruft der Bürgermeister, der sich anlässlich des STADTRADELNS 2021 von der Dürener Zeitung als „bekennender Autofahrer“ zitieren ließ, mal wieder dazu auf, dass alle Dürenerinnen und Dürener doch bitte während des STADTRADELN-Zeitraums fleißig in die Pedale treten sollen, um die CO2-Bilanz seiner autofreundlichen Stadt zu verbessern. Er selbst fährt im Bürgermerister-Alltag gar kein Rad. Das lässt sein Terminkalender, sagte er der Zeitung damals. Erstaunlich – nennt sich die Stadt Düren doch „Stadt der kurzen Wege“. Wären all die hübschen Maßnahmen aus all den hübschen städtischen Konzepten und Politiker-Sonntagsreden umgesetzt und nicht nur zur Ablage in irgendeiner Schublade niedergeschrieben worden, wäre der BM mit dem Fahrrad in der „Stadt der kurzen Wege“ wahrscheinlich deutlich schneller unterwegs als mit dem Pkw.


Quelle: KI-Slop

Nun also wieder ein KI-generiertes (oder sogar höchst persönlich formuliertes) Grußwort unseres bekennenden Autofahrer-Bürgermeisters:

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

in diesem Jahr nimmt unsere Stadt Düren bereits zum 10. Mal an der Kampagne STADTRADELN teil – ein kleines Jubiläum, auf das wir gemeinsam stolz sein können. Vom 20. Juni bis zum 10. Juli 2026 sind Sie alle herzlich eingeladen, kräftig in die Pedale zu treten und ein starkes Zeichen für nachhaltige Mobilität, Klimaschutz und Lebensqualität in unserer Stadt zu setzen.

Das Ziel der Kampagne ist klar: Möglichst viele Alltagswege klimafreundlich mit dem Fahrrad zurückzulegen und so aktiv dazu beizutragen, den CO₂-Ausstoß zu reduzieren.

Doch beim STADTRADELN geht es um mehr als nur Zahlen und Kilometer. Es geht um Gemeinschaft, um Freude an Bewegung und darum, unsere Stadt aus einer neuen Perspektive zu erleben. Ob auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule, beim Einkaufen oder in der Freizeit – jeder geradelte Kilometer zählt.

Ich lade Sie daher herzlich ein: Machen Sie mit! Gründen Sie Teams, schließen Sie sich bestehenden Gruppen an oder radeln Sie einfach für sich – jeder Beitrag ist wertvoll. Gemeinsam können wir zeigen, wie viel Potenzial in unserer Stadt steckt, wenn wir nachhaltige Mobilität aktiv leben.

Lassen Sie uns das Jubiläumsjahr zu einem besonderen Erfolg machen!

Ihr

Frank Peter Ullrich

(Bürgermeister der Stadt Düren)

Grußwort des Bürgermeisters zum STADTRADELN Düren 2026
Quelle: KI-Slop

Gemeinschaft, Freude an Bewegung, Nachaltigkeit und „neue Perspektiven“

Beim Alltagsradeln in Düren soll es also um die „Freude an der Bewegung“ gehen, wenn man ständig zwischen falsch parkenden, zu schnell fahrenden und viel zu eng überholenden Pkw versuchen muss, irgendwie heil am Ziel anzukommen. Man möge unsere Stadt aus einer (zumindest für den nicht Rad fahrenden Bürgermeister) „neuen Perspektive“ erleben. Eine Perspektive, die jeder Alltagsradfahrer – vom Schulkind bis zur radelnden Omi – mehr als genügend kennt: Miserable oder gar keine Infrastruktur für Radfahrende, kaum eine Innenstadt-Fahrt ohne diverse Gefährdungen für Leib und Leben… Aber hey – diesmal dürfen wir Alltagsradfahrer und alle darüber hinaus während des dreiwöchigen Aktionszeitraums sogar klimafreundliche Kilometer sammeln, um das Image der Stadt, die ach so viel für den Radverkehr unternimmt, aufzupeppen. Toll! Da macht das Radfahren doch gleich viel mehr Spaß.

Gemeinsam (allerdings wohl ohne den nicht-stadtradelnden Bürgermeister) können wir zeigen, wie viel Potenzial in unserer Stadt steckt, wenn wir nachhaltige Mobilität aktiv leben! 🤡 Wenn schon der Verwaltungs-Chef, seine Partei und seine Auto-Auto-über-alles-Koalition im Rathaus nicht bereit sind, wirklich etwas für nachhaltige, klima-, umwelt- und menschenfreundliche Mobilität zu leisten, dann doch bitte wir Radfahrer.

Nach Abschluss des STADTRADELN-Franchisings winken dann sogar ein paar Preise für die fleißigsten Kilometersammler – ein paar aalglatt-wohlfeile und jährlich wiederverwendbare Worthülsen inklusive! Aber auf die Umsetzung der fahrrad-förderlichen Beschlüsse könnt ihr lange warten! Erstmal machen wir aus dem beschlossenen Rad-Vorrangrouten-Konzept ein Rad-Umwege-Konzept und aus dem einzigen neuen geschützten Radstreifen eine Pkw-Parkzone…



Quelle: KI-Slop

Meldungen und Tracking-Daten für die digitale Mülltonne

Tolle Sache übrigens, dass es während des STADTRADELN-Zeitraums auch wieder das Meldeportal „RADAR!„ geben wird, bei dem Stadtradelnde gefährliche Stellen, fehlende oder nicht ordentlich instand gehaltene Infrastruktur etc. melden können. Das haben die Stadtradelnden in der Vergangenheit schon fleißig genutzt. Und was ist mit den Meldungen passiert? Sie lagen irgendwo im digitalen Nirvana der Verwaltung unbearbeitet herum, bis irgendwann per Mail auf einen Schlag etliche Nachrichten eingingen, in denen es hieß, der Bearbeitungsstatus habe sich von „offen“ zu „erledigt“ verändert. Offenbar fand es jemand seltsam (oder peinlich), dass die ganzen Meldungen von einem STADTRADELN bis zum nächsten nicht bearbeitet werden…

Quelle: STADTRADELN-App

„Erledigt“ heißt allerdings nur, dass sich mal jemand die Mühe gemacht hat, am PC den Bearbeitungsstatus zu ändern (oder die Meldung im besten Fall an ein weiteres, nicht an Ursachenbeseitigung interessiertes Amt weiterzuleiten), nicht dass an der Ursache der eigentlichen Mängel-Meldungen gearbeitet wurde – geschweige denn, dass die Mängel behoben wurde. Ein Beispiel:

Am 9. Januar dieses Jahres wurde meine 2025er-STADTRADELN-RADAR!-Meldung bzgl. des gefährlichen freien Rechtsabbiegens auf Status „Erledigt“ gesetzt. In der App konnte ich folgende Info dazu nachlesen: „Rotmarkierung der Furten von und zur Stolzestraße wird umgesetzt.“ Gesagt, getan? Weit gefehlt! Kurz vor Beginn des 2026er-STADTRADELNS sieht die Stelle noch genauso aus wie vor einem Jahr, als ich die Meldung eingereicht habe. Status: Erledigt! Viel Spaß beim SCHULRADELN, liebe Schulkinder! 🤡 Übrigens wurde meine Rückfrage, wann mit der echten Erledigung (also Entschärfung der gefährlichen Situation) zu rechnen ist, bis heute nicht beantwortet.

Ehrlich gesagt, habe ich damit auch nicht gerechnet. Denn das Meldeportal „RADAR!“ ist genauso Teil des STADTRADELN-Greenwashings wie auch die sogenannte „Heatmap“, auf der die STADTRADELN-Kilometer, die mit der STADTRADELN-App getrackt werden, visualisiert werden. Eigentlich eine schöne Sache – wenn die Daten denn auch sinnvoll genutzt würden. In Düren werden sie jedoch nur des Erzeugens willen erzeugt. Statt sie bspw. für verkehrspolitische Diskussionen und Entscheidungen zu nutzen, landen sie im digitalen Mülleimer und verschwinden (ähnlich wie das Klimaschutzteilkonzept) als Datenmüll im digitalen Nirvana. So läuft Digitalisierung und Ressourcen schonende Nachhaltigkeit! bei uns!

Passend dazu noch etwas KI-Slop:



Mitmachen! Oder auch nicht…

Nun denn, liebe Alltagsradler und reine STADTRADELN-Stadtradler, viel Spaß beim diesjährigen STADTRADELN-Franchise! Sammelt fleißig Klima-Kilometer für die autofreundliche Stadt Düren, gründet ein eigenes STADTRADELN-Team oder schließt euch einem bestehenden Team an.
Vielleicht ja dem „Team Greenwashing“:

„Ziel dieses Teams ist nicht das Sammeln möglichst vieler STADTRADELN-Kilometer! Wer hier mitmacht, ist wahrscheinlich Alltags-Radfahrer:in, der/die eh ständig mit dem Rad in Düren unterwegs ist und damit das ganze Jahr über STADTRADELT – trotz teils lebensgefährdender Umstände. Für uns stellt sich die Frage, wieso wir uns seitens der Stadt via STADTRADELN-Franchising als Mitmacher:innen beim offiziellen Greenwashing instrumentalisieren lassen sollen? Mit gutem Gewissen könnte man sich kilometerreißerisch beteiligen, falls die versprochene und politisch einstimmig beschlossene Förderung des Radverkehrs auch wirklich von Politik & Verwaltung umgesetzt und gelebt würde. Das ist nicht der Fall! Bitte nutzt fleißig das RADAR!-Meldeprtal, um die miserable Fahrradinfrastruktur zu dokumentieren.“



The same procedure as every year…