Da das Sturmtief am Freitag so gut wie abgezogen war, stand der kleinen spontanen Vater-Tochter-Fahrrad-Tour nach Maastricht doch nichts mehr im Wege. Aber erstmal mit der Bahn nach Aachen…

Wir hatten uns für den „bequemen“ Weg entschieden: Zug nach Aachen, dann über Vaals einfach schnurstracks geradeaus bis nach Maastricht. Nicht die schönste Strecke, aber die schnellste und direkteste. Mit nur zwei bei Gegenwind ziemlich fiesen Steigungen.

Auf den ersten Kilometern durch Aachen gab´s für uns als Radfahrende nicht besonders viel Angenehmes zu sehen. Dass sich die Aachener mit ähnlichen Problemen bzgl. der „besonderen Förderung des Radverkehrs“ herumschlagen – trotz Radentscheid – ist ja kein Geheimnis.

Ein Lichtblick in Aachen.

Niederlande

Dann war die Anhöhe im Vaalser Quartier erreicht und es ging bergab in Richtung gelobtes Fahrradland. 😉 Naja, in Vaals wird man relativ „sanft“ in die niederländischen Verkehrsverhältnisse übergeleitet. Wahrscheinlich um den Kultur-Schock in Grenzen zu halten. Hier teilt man sich in der schmalen Ortsdurchfahrt die Fahrbahn noch mit den Pkw und Lkw.

Die Vaalser Schutzstreifen unterscheiden sich nicht großartig von unseren, allerdings sind sie konsequent rot eingefärbt und haben insgesamt einen deutlich einheitlicheren und besseren Qualitätsstandard als bei uns. Man muss sich ja nur mal die Breiten der Fahrspuren anschauen – konsequent durchgezogen sogar in Kreisverkehren.

Was nicht heißt, dass man in den Niederlanden nicht auch auf folgende, gut bekannte Situationen treffen würde – bezeichnenderweise direkt vor einem Fahrradladen… Ich muss allerdings dazu sagen, dass sich der Motorisierte sofort verdrückte, als wir hinter ihm stehen bleiben mussten. Das war ihm offensichtlich ziemlich peinlich. War aber auch kein deutsches Fahrzeug…

Ziemlich bald kommt dann aber der separierte Radweg und bis Maastricht fährt man eigentlich immer auf sicheren Radwegen, die sich in weit besserem Zustand befinden als die unseren. Und die nicht andauernd zugeparkt sind!!!

Und für Radfahrende gibt es sogar extra Beschilderungen bei Baustellen. Sowas kennen wir aus Düren ja gar nicht. Unglaublich: Da wird man doch tatsächlich auf eine Baustelle hingewiesen und bequem umgeleitet – obwohl man gar nicht im Auto sitzt. Verrückt…

Trotz letzter Gegenwind-Ausläufer des Sturmtiefs und der fiesen langgezogenen Steigungen haben wir es dann ziemlich zügig nach Maastricht geschafft und ich frage mich, wieso ich das noch nie gemacht habe. Sind ja gerade mal gut 30 Kilometer von Aachen bis Maastricht.

In der Maastrichter City das gewohnte Bild: Sehr viele Menschen, die zu Fuß, mit dem Fahrrad und dem ÖPNV unterwegs sind. Kein Wunder. Parken ist ja auch nicht so billig/kostenlos wie bei uns und Parkplätze bei weitem nicht so quer durch die gesamte Innenstadt gesät. Da sollen sich ja schließlich Menschen und nicht Autos aufhalten…

Und trotzdem scheint es den innerstädtischen Geschäften nicht soooooo schlecht zu gehen. Die City war zumindest am Freitagnachmittag und am Samstagvormittag deutlich belebter und lebendiger als unsere „Fußgänger-Zone“. (Schönes Wort. Sehr bezeichnend…) Dass das nur an der nicht vorhandenen Maskenpflicht in den Geschäften liegt, kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.

Und wenn ich mir so anschaue, wie sich die Maastrichter und die Dürener Innenstädte so verändert haben in den letzten 25 Jahren, kann ich nicht unbedingt feststellen, dass wir da aufgrund unserer konsequenten Pkw-Bevorzugungs-Strategie besser abgeschnitten hätten. Ganz im Gegenteil – in puncto Lebens- und Aufenthaltsqualität bringen uns unsere vielen innerstädtischen Pkw-Flächen und -Fahrzeuge nicht wirklich einen Mehrwert!

Umso seltsamer, dass wir es im Land der Dichter, Denker und Ingenieure *hüstel* immer noch nicht schaffen mal objektiv, wissenschaftlich oder wenigstens mit gesundem Menschenverstand an unseren innerstädtischen Verkehr ran zu gehen. Machen unsere PolkitikeriX und Stadtplanenden eigentlich keinen Urlaub in Holland?

Wir kämen doch niemals auf die Idee, unsere innerstädtischen Filet-Stücke dem Pkw zu entreißen. Die maximale Privilegierung der Autofahrenden muss fortgeführt werden. Koste es, was es wolle! Ohne die Bevorzugung der Autofahrer werden wir die Verkehrswende sowieso weder politisch noch sozialgerecht hinbekommen. Das ist mal klar. Stellt Euch doch nur mal vor, wir würden so Straßen wie die folgenden, die direkt am innersten Zentrum entlang laufen, mehr oder weniger „autofrei“ machen. Vorsicht: Trigger-Wort – sollte man besser gar nicht nutzen. Sagen wir mal „autoarm“.

Beispielsweise die Schützenstraße als vergleichbare Straße… Wäre doch total angemessen heutzutage bei all unserer Progressivität, oder? Kann das mal jemand beim kommenden Innenstadtforum zum Gedenk-Flanier-Pkw-Park-Platz Schützenstraße vorschlagen? Oder würde der/diejenige Gefahr laufen von den eigenen Fraktions-KollegiX mit freundlicher Unterstützung jedes beteiligten Fachamtes zwangseingewiesen zu werden? Ich frage ja nur – wegen der Zielerreichung in zwei Jahren „fahrradfreundliche Stadt“ zu sein, in gut drei Jahren x Prozent weniger Pkw und mehr Radverkehr in der City zu haben und so weiter…

Oder trauen wir uns echt immer noch nicht endlich mal ein bisschen mehr für die doch angeblich so erwünschte „Verkehrswende“ zu unternehmen als diese andauernd nur zu fordern? Um sie bei der nächstbesten Gelegenheit, die sich garantiert anlässlich der Konkretisierung und Umsetzung vor Ort ergibt, wieder klein zu reden und kategorisch auszuschließen?

Die Niederländer haben wie lange gebraucht, um dahin zu kommen, wo wir vielleicht irgendwann mal sein wollen? 50 Jahre? 60 Jahre? Wann gedenken wir eigentlich mal anzufangen mit den echten, Veränderung bringenden Maßnahmen? Das wären zum Beispiel solche, wie die, die uns unsere euregionalen Nachbarn seit nunmehr 50, 60 Jahren vormachen. Und die wir immer als Touristen genießen dürfen. Zumindest wenn wir zu denjenigen zählen, die sich Urlaub mit dem Pkw in Holland leisten können. Es soll ja Leute geben, die sparen sich ihren jährlichen Holland-Urlaub durch kostenloses Parken ihres E-Hybrid-Bolliden in der Dürener Innenstadt an. *Zwinkersmiley*

Wobei… Es tut sich was. Sogar an der Aachener Straße. Wer hätte das gedacht? Bei „ProRad“ einige nicht, denn die Informationspolitik und die Bürgerbeteiligung bei so Geschichten ist bei uns auch eher „deutsch“ – also zwar auf dem Papier irgendwo niedergeschrieben, in real aber…

Naja, wofür gibt es städtische Pressemitteilungen?

Aber ich schweife ab… Ist ja auch kein Familienurlaubs-Blog hier. 😉 Nach einer Übernachtung und nochmal einem Fahrrad-Bummel durch Maastricht haben wir uns dann auch schon wieder auf den Heimweg gemacht. Den Rückweg komplett per Euregioticket & Bahn. Sogar die paar Minuten Umstiegszeit in Aachen haben gereicht, sodass wir in Nullkommanix wieder in Düren waren.

Um an Gleis 3 vor dem mal wieder/noch immer/standardmäßig vergitterten und außer Betrieb genommenen Aufzug zu stehen…!

Herzlich willkommen!

Äh, ja, okay… Ich hab kein Problem damit, mein mit Tasche bepacktes Rad die Treppe vom Gleis 3 runter zu hieven. Und meine Tochter hat freundlicherweise sofort Hilfe von einem Mitreisenden angeboten bekommen. Aber wie machen das all die Gehbehinderten, Taschen, Koffer und Kinder tragenden Leute?

Sorry – der gesamte Bahnhof Düren ist ein einziges Armutszeugnis. Ist aber wohl ein ganz gutes Sinnbild für unser Verkehrsverständnis. Und leider auch die Ursache für einen ersten Eindruck von unserer Stadt, der für Außenstehende schlimmer nicht sein könnte. Aber als DüreneriX haben wir uns da ja schon an so einiges gewöhnt über die Jahre… 🙁

Vielleicht zum Ende nochmal der hinkende Vergleich mit Maastricht – um mit ein paar schönen Bildern zu schließen. So sieht´s aus, wenn man dort als Radfahrer den Bahnhof nutzen will:

Innen drin gibt es sogar funktionstüchtige Aufzüge. Nicht zu fassen, ich weiß. Es stimmt aber. Keine Fake News an dieser Stelle.

Und was erwartet einen in der Bahnhofshalle? Sieht das da aus wie in Düren? Ja, ungefähr – hat in etwas dieselbe Atmosphäre…

Ich frage mich lieber nicht, wie lange es dauern würde, bis dieses Klavier im Dürener Bahnhof…

Aber wir sind ja hier auch schließlich nicht in den Niederlanden!


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