Für Anfänger und Neueinsteiger:

Eine ganz hervorragende menschliche Fähigkeit ist die des „Abguckens“. Ich beobachte etwas, das anscheinend funktioniert und vernünftig aussieht. Ich probiere es selber aus. Es klappt, ich mach´s weiter und adaptiere es gegebenenfalls. Es klappt nicht, ich lasse es bleiben. Eine fast schon natürliche, symbiotische Mischung aus Lernen am Modell und Versuch und Irrtum. 😉

Eigentlich total einfach, jahrtausendelang, milliardenfach praktiziert und erprobt die Sache. Leider allerdings auch mindestens genauso irrelevant für die Rad-Verkehrsplanung.

Rad-Verkehrsplanung verläuft lieber nach dem Motto: Vertraue keinem guten Beispiel, wenn´s auch noch so nahe liegt – egal ob räumlich, technisch oder logisch naheliegend. Versuche stattdessen, wenn irgendwie möglich, das Rad immer wieder neu zu erfinden. Auch wenn Du es niemals besser hinkriegen wirst als Deine Vorgänger.

Setze andererseits stets auf Bewährtes, denn es wäre nicht Bewährtes, wenn es sich in Deinen Augen nicht bewährt hatte. Und da es sich ja bereits in der Vergangenheit bewährt hat, gehe stets davon aus, dass es sich auch in Zukunft bewähren wird. Lasse also schön die Finger von neuen Ideen, denn sie erzeugen eh nur eine Menge Arbeit und Stress.

Falls das alles viel zu verwirrend ist: Vertraue einfach immer Deiner eigenen Meinung und Expertise, und niemals dem sogenannten Fachwissen von Menschen, die sich praktisch und wissenschaftlich oder gar ehrenamtlich für´s Thema interessieren!

Nutze Bauchgefühl, Statistik und Prognostik möglichst kreativ und stets Deinen Zielen entsprechend. Da bietet sich Dir viel “Gestaltungsraum”, falls Du wegen o.g. mal in Argumentations-Not geraten solltest.

Kleinigkeiten

Um nicht direkt mit niederländischen oder dänischen Maßstäben zu kommen, also eher für den ganz leichten, niedrigschwelligen Einstieg (vielleicht liest ja ein Rad-Verkehrsplaner mit *zwinkersmiley*) hier ein paar „Kleinigkeiten“, die zwar lächerlich wirken mögen, die aber ganz klare Vorteile haben. Kann man sich alles bei unseren Nachbarn abgucken… (Kleiner Tipp: Man muss da heutzutage keine Dienstreise mehr hinmachen, alle Infos sind nur ein paar Klicks , Emails oder Anrufe entfernt.)

Vorteile:

  • Super Öffentlichkeitsarbeit: Kommune kann sich als „total fahrradfreundlich und innovativ“ präsentieren.
  • Astreiner Kosten-Nutzen-Effekt: saugünstig & praktisch.
  • Simpel & sicher: Stört oder behindert keinen anderen Verkehrsteilnehmenden.

Tritt- und Griff-Bügel

Hannover

Quelle:
hannover.de

Screenshot

Haltegriffe

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Leipzig

Quelle: leipzig.de

Haltung haben & zeigen!

Münster

Quelle:
zdf.de

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Mülleimer

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Diepholz

Quelle:
stadt-diepholz.de

Ulm, Marl, Lörrach

Quelle:

hamburgize.
blogspot.com

Screenshot

Für Fortgeschrittene:

Haltung, Mut und Konzepte!
Auch Industrie und Einzelhandel fangen langsam an zu begreifen, dass Radfahrende nicht grundsätzlich arme Kirchenmäuse sind, die sich nur auf´s Rad setzen, weil sie sich kein Auto leisten können. Ganz im Gegenteil können Radfahrende sogar kauffreudiger sein als Autofahrende. Sie sparen Geld, weil sie das Auto nicht benutzen (müssen/wollen). Sie bezahlen keine Parkgebühren und müssen nicht auf Parkzeiten achten,. Sie bewegen sich (den lokalen Umständen entsprechend) müheloser von Geschäft zu Geschäft. Sie nehmen Geschäfte auf dem Weg zum eigentlichen Ziel viel besser wahr und sind dadurch zugänglicher für “Impulskäufe”.

Leider fehlt´s in Politik/Verwaltung/Einzelhandel noch massiv an der Erkenntnis, dass nicht mehr Pkw-Verkehr unsere Innenstädte belebt, sondern weniger. Auch diesbezüglich machen uns unsere Nachbarn – einen Katzensprung über die Euregio-Grenzen entfernt – seit x Jahren vor, wie man auch ticken kann, wenn man´s wirklich ernst meint mit Verkehrswende, “besonderer Förderung” nachhaltiger Verkehrsformen und so weiter. 

Push & Pull
Um dies wirklich anzugehen, bedarf es allerdings so etwas wie einer “Haltung”. Jeder Verkehrsplanende weiß, dass der innerstädtische Raum nun mal schon verteilt ist. Bleibt nur eine logische Schlussfolgerung: Dem motorisierten Individualverkehr Flächen wegnehmen (Parkplätze, Fahrspuren, Abbiegespuren) und den gewonnen Raum neu im Sinne der gewünschten Verkehrswende auf den Mobilitätsverbund aus ÖPNV/Rad/Fuß zu verteilen. Lamentieren ist nicht angesagt, alle Beteiligten wissen, dass es nur so funktionieren wird.

Und mal ehrlich, wird´s nicht langsam mal Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, ob wir unsere Städte weiter von parkenden, parkplatz-suchenden, schlechte Luft und Lärm produzierenden Maschinen dominieren lassen wollen. Wie war das mit der menschlichen Lernfähigkeit nochmal? Ich glaube, die beinhaltet auch so etwas wie aus den eigenen Fehlern lernen zu können. Nichts gegen Homer Simpson (“D´Oh!“), aber in der Verkehrsplanung sind diese ständigen “D´Ohs!” echt tragisch, weil sich die Bürger jahrzehntelang damit rumschlagen müssen.

Push heißt also, den Mut zu haben, Pkw-Flächen und -Bevorzugungen wegzunehmen und damit das Autofahren tendenziell immer unattraktiver zu machen.
Pull wiederum bedeutet, gleichzeitig die alternativen, gewünschten Verkehrsarten durch strukturelle Verbesserungen so attraktiv zu machen, dass deren Nutzung einfach vorteilhafter ist, als sein Brötchen alleine mit dem Pkw von der Bäckerei abzuholen.

Flächen gerecht und zukunftsgerichtet verteilen!

Quelle: www.zukunft-mobilitaet.net / CC-BY-3.0)

Öffentlichkeitsarbeit

Die Menschen mitzunehmen, ist ein ganz entscheidender Faktor! Grundlegende Veränderungen an gewohnten Strukturen, lieb gewonnen Gewohnheiten und tief verinnerlichten Konzepten, sind nicht leicht zu kommunizieren. Sie bedürfen einer großen Informationskampagne mit maximal möglichen Bürgerbeteiligungsprozessen. Sonst wird das alles eh nix. Wir haben es beispielsweise an der Posse rund um die drei wegfallenden Pkw-Parkplätze in der Weierstraße erlebt…

Das Problem: Keine Haltung, kein Mut, keine Konzepte = keine PR = kein Rückhalt in der Wählerschaft = kein Mut, keine Haltung, keine Konzepte = keine PR… = keine Verkehrswende!

Und wie steht´s bei uns in Düren mit PR pro Rad? Beschränkt sich die gesamte Fahrrad-Öffentlichkeitsarbeit der Stadt fast nur auf´s alljährliche “Stadtradeln”? Siehe “Stadtradeln – für ein besseres Klima und mehr Radverkehr in Düren? Ohne mich!”.

Oder findet die intensive Öffentlichkeitsarbeit so subtil statt, dass sie mir noch gar nicht aufgefallen ist (aber vielleicht schon wirkt)? Ich glaube, so innovativ sind wir in Düren dann auch wieder nicht. Hier wird eher mit Plakaten gearbeitet, mal eine Website responsiv gemacht, für Pressefotos posiert, ein paar 1.5m-Abstands-Aufkleber auf Busse gepappt und mal zu einem Stadtgespräch eingeladen, von dem man im Nachklang als interessierter Bürger dann auch nichts mehr hört. 

Kann man da nicht mehr machen?
Durchaus. Man muss nur wollen!

110 Suchergebnisse

”Öffentlichkeitsarbeit”

 

Quelle:
nationaler-radverkehrsplan.de

Screenshot

Für Profis:

…ohne viel Text, damit´s nicht weh tut, für den schnellen Profi-Einstieg:
Siehe hier!

…für Menschen, die es echt wollen: Auslandsexkursionen, Seminare und so weiter. Alles vom Arbeitgeber bezahlt:

 

Für Technik-Affine: